The following is an article from the March, 2007 edition of "Western Horseman" Magazine

Included here with permission of the author, Ryan Thomas Bell.

(Larger versions of the images are in "The Last Cowboy" galleries)


Rancho Grande, Nevada. Bobby Lynn works
with Custer, who is saddled for the first time.
He does not stay saddled for long.

Auf Der Suche Nach Dem Letzten Cowboy

Vor siebzehn Jahren begann der Fotograf Adam Jahiel, das Leben der Buckaroos, jener Cowboys im Great Basin, im Westen der USA, zu dokumentieren. Tausende Fotos später, so sagt er, entdeckt er immer noch neue Geheimnisse dieser einzigartigen amerikanischen Kultur.

EINE GESCHICHTE VON THOMAS BELL

FOTOS VON ADAM JAHIEL

Der Begriff „bei Tagesanbruch“ ist bei den Cowboys im Great Basin weit gefasst. Für den Koch bricht der Tag bereits gegen drei an, wenn er Feuer im Herd und Frühstück machen muss. Der nächste, der aufsteht,
sein Pferd im Dunkeln sattelt und in die nachtschwarze Prärie hinausreitet, ist der Horsewrangler. Er muss die Sattelpferde holen, die Arbeitspferde der Cowboys, die des Nachts frei grasen dürfen.

Während er unterwegs ist, kommt der Rest der Crew langsam zu sich - ganz ohne Trompetenweckruf. Einzig das leise Fauchen ihrer Gaslaternen ist zu hören, die einer nach dem anderen anzündet.

Die Cowboys bleiben noch liegen, bis die Laternen die Luft in ihren Zelten ein wenig erwärmt hat. Erst dann ziehen sie sich an und schlurfen - Laterne in der einen, Zigarette in der anderen Hand - ins Zelt des Kochs. Ihre Stimmung ist düster. Nur wenige blicken für einen kargen Wortwechsel von ihrer Kaffeetasse auf. Mit Metallgabeln verdrücken sie die Eier von ihren Plastiktellern, während sie der Ankunft des Horsewranglers und der Sattelherde lauschen.

Dem Fotografen Adam Jahiel, der sich dezent im Hintergrund hält, schenken sie wenig Beachtung.

Mit Hilfe einer Mittelformatkamera hat Jahiel ein Werk geschaffen, das nahezu zwei Jahrzehnte des Ranchwesens im Great Basin dokumentiert. Er nennt sein Projekt „Der letzte Cowboy“. Von 1989 an bereiste Jahiel jeden Sommer Teile von Idaho, Nevada und Oregon,um die hiesigen Cowboys, die Landschaft und historische Viehfarmen zu fotografieren.

Seine Sammlung umfasst Tausende von Aufnahmen, darunter Portraitstudien von Buckaroos, Bilder von Horse-Roundups, von Sommer-Brandings und von Zeltcamps weit draußen in der offenen Steppe. Wenn man sich seine Fotos ansieht, hat man den Eindruck, die Buckaroo-Kultur sei unvergänglich und so fest in diesem Boden verwurzelt wie der Wüstenbeifuß.

Cookhouse Inspiration

Die Idee zu seinem Projekt Der letzte Cowboy kam Jahiel an einem Tag im Sommer 1989, als er für seinen damaligen Arbeitgeber, den Zeitungsverlag „The Sacramento Bee“, auf einer Ranch an der Grenze zwischen Nevada und Kalifornien Bilder des berühmten Rodeo Bullen Skoal's Pacific Bell machen sollte.

„Nachdem wir auf der Ranch herumgekurvt waren, um den Bullen zu fotografieren, haben wir uns im Cookhouse eine Tasse Kaffee genehmigt“, erinnert Jahiel sich. „Ich sah mich in dem Kantinenbau um und mir fiel auf, wie spartanisch er eingerichtet war. Da stand nur der obligate Tisch mit einer rotweiß karierten Tischdecke und einem Sammelsurium an Ketchup, Senf, Tabasco und Zahnstochern, die Holzwände waren weiß gekalkt - alles ohne jeden Schnickschnack. Im zweiten Raum entdeckte ich ein Sofa, das offensichtlich schon viel erlebt hatte. Überall lagen Sachen der Cowboys herum, und an der Wand hing eine plumpe Zeichnung eines buckelnden Pferdes, die irgend jemand mal angefertigt hatte.“

In dieser Umgebung fühlte Jahiel sich in ein Foto seines Idols Walker Evans hineinversetzt. Evans hatte während der Wirtschaftskrise der USA in den 30iger Jahren für die Farm Security Administration, kurz FSA, das ländliche Amerika dokumentiert.

„Diese FSA-Bilder haben was unglaublich Fesselndes“, sagt Jahiel. „Sie sind technisch perfekt und die Motive von wahrer historischer Bedeutung. Das ist nicht nur was fürs Auge. Die Fotos sind historische Dokumente.“

Jahiel erkundigte sich bei den Besitzern der Ranch, ob er wiederkommen und weitere Bilder machen dürfe, dieses Mal auf eigene Rechnung. Sie waren nicht nur einverstanden, sondern überreichten ihm sogar ein Schreiben, das ihm freien Zugang zu all ihren Viehfarmen in ganz Nevada gewährte.

„Die erste Ranch, auf der ich mich eine Weile lang aufhielt, war die IL in Nord-Nevada“, erinnert Jahiel sich. „Kaum war ich angekommen, fing ich an, drauflos zu knipsen - ohne jedes Konzept. Ich hielt einfach die Augen offen, redete nicht viel, um ja nichts zu verpassen und versuchte, den Leuten nicht im Weg rumzustehen.“

„10 Tage später bedankte ich mich beim Cowboss und sagte ihm, dass ich alle Bilder beisammen hätte und im Laufe des Vormittags abreisen würde. Er meinte nur ‚Okay‘, wendete sein Pferd und ging wieder an die Arbeit.“

Ein enttäuschender Abschied für Jahiel. Ihm wurde klar, dass es sehr schwierig werden würde, Zugang zu dieser abgeschotteten Welt der Buckaroos im Great Basin zu finden. Aber noch während er seine Sachen packte, kam der Cowboss zurückgeritten und sagte: „Wenn Sie auf anderen Ranches in der Gegend noch Aufnahmen machen wollen, sagen Sie, Sie kämen auf meine Empfehlung.“

Damit hatte Jahiel seinen Fuß in der Tür.

„Diese Typen sind von Natur aus pokergesichtig und schweigsam“, stellt Jahiel fest. „Ich hatte keine Ahnung, woran ich mit ihnen war. Daher wusste ich, dass mir eine große Ehre zuteil wurde, als der Cowboss das zu mir sagte. Damit fing alles richtig an.“

Wandschmuck

Als Fotograf hält Jahiel Momente fest, die weit mehr aussagen als die romantischen Illusionen der Zigarettenwerbung. In „Der letzte Cowboy“ teilt er seine Bilder er zwei Gruppen ein: Heldenfotos und Dokumentationsfotos.

Jahiels Heldenbilder sind sehr gefragt und zieren manche Wand. Eine dieser Aufnahmen - Jahiel nennt sie Rancho Grande - zeigt , wie sich ein Pferd in voller Größe über einem Cowboy aufbäumt, dessen Gesicht im Schatten des Corral-Gatters verborgen bleibt. Das Foto ist vollgepackt mit Action und dramatischen Kontrasten zwischen Wolken, Schatten und Licht. In ihm sieht Jahiel das Verhältnis des Menschen zur Natur verbildlicht.

Jahiels dokumentarische Fotografien zeigen den Alltag der Buckaroos und gewähren dem Betrachter Einblicke in ihre Kultur. Solche Bilder werden vermutlich eher selten als gerahmter Wandschmuck zu finden sein, aber Jahiel liebt „Seele und Charakter“ dieser Aufnahmen.

„Die interessantesten Sachen ereignen sich vor und nach der Arbeit“, erklärt er. „Die Cowboys stehen auf und machen ihr Ding, nehmen auch mal einen Tag frei, und arbeiten, wenn sie wiederkommen, an ihren Sätteln, lesen, putzen ihr Zeug, dösen ein wenig oder erzählen Geschichten. Ein wahres Wunder, dass es so einen Lebensstil heute noch gibt.“

Naptime ist ein unaufdringliches Jahiel-Dokumentationsfoto, bei dem die vielen Geschichten, die es erzählt, den Mangel an Action wiedergutmachen. Es entstand an einem Branding-Nachmittag auf der TS Ranch in Nevada. Jahiel erinnert sich noch genau an die Szene, die sich ihm bot:

photo- Naptime
Naptime, TS Ranch, Nevada.

„Nachdem wir auf der Ranch herumgekurvt waren, um den Bullen zu fotografieren, haben wir uns im Cookhouse eine Tasse Kaffee genehmigt“, erinnert Jahiel sich. „Ich sah mich in dem Kantinenbau um und mir fiel auf, wie spartanisch er eingerichtet war. Da stand nur der obligate Tisch mit einer rotweiß karierten Tischdecke und einem Sammelsurium an Ketchup, Senf, Tabasco und Zahnstochern, die Holzwände waren weiß gekalkt - alles ohne jeden Schnickschnack. Im zweiten Raum entdeckte ich ein Sofa, das offensichtlich schon viel erlebt hatte. Überall lagen Sachen der Cowboys herum, und an der Wand hing eine plumpe Zeichnung eines buckelnden Pferdes, die irgend jemand mal angefertigt hatte.“

„Als ich diese Szene sah, erkannte ich sofort, wie viele Geschichten das Foto erzählen würde. Das Bild ist einfach grandios, aber dennoch nichts Spektakuläres, das man sich kauft, um es an die Wand zu hängen.“


First Light, IL Ranch, Nevada. Die Sonne ist die letzte, die in diesem Bild
zum Leben erwacht. Die Cowboys haben schon ihren Kaffee getrunken und
die Pferde zusammengetrieben. Louie Hawkins, der Jiggerboss, holt sein
Pferd, um es für die Arbeit zu satteln.


Fritz and Snooks, TS Ranch, Nevada. Fritz
Merek und sein Hund Snooks fahren raus, um
den ganzen Tag Zäune zu reparieren.


Riley Cleaver, IL Ranch, Nevada. „Ich war gerade
in einem Cowcamp auf der IL angekommen“, sagt Jahiel.
„Ein paar der Cowboys saßen im Cookhouse
und spielten Karten, solange es draußen stürmte.
Sie dachten, ich würde an diesem keine
Gelegenheit zum Fotografieren haben. Doch dieses
Portrait ist eines meiner Lieblingsbilder.“

Cowboy Portraits

Jeder Fotograf, der auf eine Gelegenheit hofft, eine dieser versteinerten Buckaroo-Mienen zu portraitieren, hätte hier seine helle Freude gehabt. Für Jahiel bestanden die Herausforderungen darin, das Holz perfekt ins Bild zu integrieren und die Cowboys dahin zu bringen, dass sie sich vor der Kamera entspannt und natürlich verhielten. Dabei kamen ihm seine wiederholten Besuche im Laufe der Jahre zugute, bei denen er allmählich das Vertrauen dieser Cowboys gewonnen hatte.

„Wenn man 15 Jahre lang immer wiederkommt, erhält man ganz andere Einsichten als bei einem kurzen, einmaligen Besuch“, stellt Jahiel fest. „Ich besuche diese Jungs immer wieder gerne, folglich öffnen sie sich mir gegenüber auch immer mehr.“

Und Jahiel machte noch eine Erfahrung: Beim Besuch einer neuen Ranch war es Gold wert, mit der Empfehlung eines anderen Cowboys zu kommen.

„Von einer Ranch zur nächsten - das ist so eine kleine Welt“, sagt er. „Je mehr Zeit man dort verbringt, um so mehr Cowboys begegnet man, um so besser kann man sich einfügen und einarbeiten. Da lernt man auch, wann es Zeit ist zu verschwinden und wann man wiederkommen kann.“

Ziel eines Portraitfotografen ist es, sein Gegenüber in dem Moment abzulichten, in dem es nicht durch die Gegenwart der Kamera irritiert ist. Bei einigen Bildern ist Jahiel dies gelungen. Portraitfotos wie Riley Cleaver vermitteln eine gewisse Vertrautheit, die den Betrachter ganz nahe an die Cowboys heranlassen. Bei anderen Bildern wandte Jahiel eine Technik an, die er während der Zusammenarbeit mit dem Portraitfotografen Arnold Newman kennengelernt hatte, dessen Bilder von Menschen wie dem Präsidenten John F. Kennedy und dem Komponisten Igor Strawinsky weltberühmt wurden.

„Er war ein mürrischer alter Mann“, erinnert Jahiel sich an Newman, „der stundenlang an seinen Leuchten rumfummeln konnte. Seine Models waren aufgeregt und konnten es kaum erwarten, fotografiert zu werden. Aber bis Arnold endlich so weit war, schliefen sie beinahe.“

„Irgendwann begriff ich, dass er das absichtlich tat. Während er seine Models zu Tode langweilte, beobachtete er sie ganz genau. Je mehr sie sich entspannten, desto unbefangener und natürlicher waren sie der Kamera gegenüber.“

„Ich beobachte die Leute ständig, wie sie sitzen, ihre Körpersprache. Als ich den Cowboys sagte, dass ich sie fotografieren würde, verkrampften sie sich sofort. Also musste ich sie dazu bringen, sich wieder so zu verhalten wie vor meiner Ankündigung.“

Mit Verschlussgeschwindigkeit

Jahiel ist selbst passionierter Cowboy und Reiter. Vor dem Fenster seines Studios in Wyoming grasen Pferde und zwischen seinen zahllosen fotografischen Gerätschaften sind immer wieder Arbeitsutensilien wie Bits und Ropes zu finden. Da ist es nur verständlich, dass Jahiel Parallelen zwischen dem Beruf der Buckaroos und dem der Fotografen zieht. Beide bedürfen einer großen Expertise und dem richtigen „Bauchgefühl“, sei es beim Werfen einer komplizierten Schlinge oder beim Aufnehmen eines technisch perfekten Fotos.

„Jede Form der Kunst - das Schreiben, Fotografieren, das Roping, die Sattlerei - alle erfordern viele Fähigkeiten gleichzeitig“, sagt Jahiel.

Zu dieser Erkenntnis gelangte er im Sommer 2006, als er auf einem Cowcamp der Spanish Ranch in Nevada eine rege Diskussion der Cowboys über einen Roping-Kurs mitbekam, den die Männer in Elko besucht hatten.

„Sie beschrieben den Lassowurf eines bestimmten Cowboys so detailliert, als hätten sie ihn in Zeitlupe gesehen“, erinnert Jahiel sich. „Wenn man ihnen zuhörte, konnte man förmlich spüren, wie der Cowboy Hand und Handgelenk führte, wie sich das Seil langsam abwickelte, in der Luft eine Wellenbewegung machte und die Schlinge so auf dem Boden aufkam, dass das Kalb hineintrat.“


Roping a Cloud (Das Ropen einer Wolke),
IL Ranch, Nevada.

In der Unterhaltung der Cowboys erkannte Jahiel ein Konzept wieder, das auch er seinen Schülern vermittelte: den Gedanken von einer „Momentaufnahme des Lebens“. Jahiels Theorie zufolge zeigt ein Foto einen eingefrorenen Augenblick der Zeit. Dadurch wird der Betrachter in die Lage versetzt, Einzelheiten zu erkennen, die vorher mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar waren. Die Cowboys diskutierten eine solche Momentaufnahme, die sich während des Elko-Rodeos in ihrem Gedächtnis eingeprägt hatte und jetzt auch ohne Kamera abrufbar war.

Von allen Fotos der Sammlung „Der letzte Cowboy“ sticht Roping a Cloud (Das Ropen einer Wolke) deutlich als Jahiels Meisterstück hervor. Er nahm es eines Morgens vor Sonnenaufgang bei einem Cowcamp auf der IL Ranch auf. Der Wrangler hatte die Sattelherde im Corral versammelt und der Toproper holte nun methodisch die für den Tag benötigten Arbeitstiere per Lasso heraus.

„Diese Szene war voller Möglichkeiten“, schwärmt Jahiel. „Die Tätigkeiten und Handgriffe der Cowboys sind immer dieselben, zum Beispiel beim Roping, Branding und Viehtreiben. Wenn man also weiß, was als nächstes passieren wird, ist man vorbereitet und kann die nächste Aufnahme ganz entspannt angehen. Ich wusste, wie der Wrangler vorging, dass er gleich einen Schritt nach vorn gehen, das Lasso werfen und ein Pferd nach dem anderen einfangen würde.“

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, es war also quasi kein Licht vorhanden. Wenn Jahiel durchs Objektiv blickte, sah er nur schwarz. Also wählte er Einstellungen, mit denen die Kamera sie so viel Licht wie irgend möglich einfangen konnte und fokussierte das Objektiv auf die Mitte des Rope-Corrals. Beim Knipsen verließ Jahiel sich allein aufs richtige Timing, ohne zu wissen, was er im Einzelnen aufnahm. Erst zwei Wochen später, als er in sein Studio in Wyoming zurückkehrte und den Film belichtete, konnte er sehen, ob ihm die Aufnahmen gelungen waren oder nicht.

„Bei einem der Bilder wusste ich sofort: ‚Das ist es‘“, erinnert er sich. „Das Lasso schien zufällig eine einzelne Wolke am Himmel einzufangen. Hatte ich da rumgesessen und darauf gewartet, dass der Wrangler eine Wolke einfangen würde? Natürlich nicht. Ich konnte ja nicht mal sehen, dass die Wolke da war. Das sind die Wunder der Fotografie. Man bereitet sich gründlich auf die Aufnahmen vor, der Rest unterliegt dem Glücksfaktor.“

photo - Bunkhouse 1
Bunkhouse #1, Stateline Camp, Spanish Ranch,
Nevada.

Der Unbekannte Buckaroo

In einer verlassenen Baracke im Südosten der ZX Ranch in Oregon stieß Jahiel auf ein Cowboy-archäologisches Artefakt: ein Buckaroo-Tagebuch. Die Einträge waren kurz, manchmal rätselhaft, oft auch humorvoll. Faszinierend fand Jahiel die Tatsache, dass diese persönlichen Notizen in Graffitti-Manier an die Wände der Baracke geschrieben worden waren, kaum lesbar, aber in einer schrägen Schreibschrift, als wäre ein Cowboy in diesem Bunkhouse gefangen gehalten worden und hätte sich die Zeit mit dem Führen dieses Wandtagebuchs totgeschlagen.

Die Notizen begannen direkt unter der Zimmerdecke mit geradlinigen Sätzen und endeten etwa auf Hüfthöhe in wirren Spalten. Der unbekannte Autor hatte Herdenbewegungen aufgezeichnet, über tägliche Begebenheiten berichtet und jede Notiz mit einem Kommentar zum Wetter abgeschlossen.

10-6 Ritt an den unteren Stausee.
110 Paare.
Den ganzen Nachmittag Regen. - Kalt.

10-7 Die Bosse sind spät dran.
Als loyale, engagierte, hart arbeitende Crew, die wir sind, 
haben wir weiter gearbeitet. 80 Paar verladen. 204 Kühe 
nach Little Coyote gebracht und 22 Bullen von B. Coyote 
an den oberen Stausee. Mike hat sich fast in die Hose gemacht. 
Clayton's Geburtstag. - Kalt, windig.

10-8 Thompsons zusammengetrieben nach Big Coyote. 91 Kühe 4 Bullen. Hurensöhne. 
Die ganze Bande. - Schön.

Dieser unbekannte Cowboy und die verwaiste Baracke haben für Jahiel fast symbolischen Charakter, denn wie er feststellen musste, schwindet die gesamte Ranchkultur im Great Basin. Während der zwei Jahrzehnte, in denen Jahiel sich immer wieder dort aufhielt, wurden die Cowboys älter, setzten sich zur Ruhe oder starben. Es mangelt an Nachwuchs; wirtschaftliche Belastungen sowie politischer und sozialer Druck lassen ein Cowboy-Dasein nicht mehr attraktiv erscheinen. Und selbst große Ranchbetriebe verschwinden oder werden an Unternehmer verkauft, die nicht mehr mit Cowcamps arbeiten - und somit keine Verwendung mehr für Buckaroos haben, die sich um das Vieh kümmern.

„Das „Sterben der Cowboys’ ist ein riesiges Klischee“, gibt Jahiel zu. „Und wenn jemand meint, immer noch wie in den „alten Zeiten“ zu leben, macht er sich selbst etwas vor. Dieser Landstrich [das Great Basin] gehört einer Vergangenheit an, die praktisch nicht mehr existiert. Die hier abgebildeten Cowboys leben in Camps, Zelten und Tipis. Sie haben Camp-Köche, vielleicht sogar Funkgeräte, selbst wenn sie keine Verbindung bekommen. Von morgens bis abends kampieren sie irgendwo draußen in der Wüste, Meilen von jeglicher Zivilisation entfernt. Ihr Leben hängt allein von ihrer spärlichen Ausrüstung ab.

„Natürlich sind Tipis mitten in der Einöde, provisorisch aus Seilen gebildete Corrals und solche antiken Gebäude, die von früheren Camps zeugen, ein faszinierender Anblick.“

Durchaus verständlich, warum Jahiel ein verlassenes Bunkhouse mit Graffiti bemalten Innenwänden als archäologische Kostbarkeit betrachtet. Irgendwann werden Wände frisch gestrichen oder fallen - im schlimmsten Fall - mit dem Rest des Gebäudes in sich zusammen. Ebenso ist auch der Great Basin Buckaroo keineswegs unsterblich. Letztendlich wird nur der vom Wind ausgesäte Wüstensalbei alles überleben. Doch durch Jahiels Werk ist den Cowboys ihr Platz in der Geschichte sicher - und damit eine Art Nachleben.


The Escapee(Der Ausbrecher), Stateline Camp,
Nevada. Fritz Whitlock scheucht ein
ausgebrochenes Pferd zu der im Ropecorral
zusammengetriebenen Herde zurück.


His Turn to Cook (Er ist mit dem Kochen an der
Reihe)
, Squaw Valley, Spanish Ranch, Nevada. In
einem Wüstencamp springen die Cowboys
abwechselnd für den abwesenden Koch ein. An
diesem Tag hat Cowboy Brian Morris die Ehre, und
während er Kartoffeln schält, wünscht er sich
aufs Pferd zurück.

Ryan Thomas Bell schreibt ein Memorandum über seine jahrelange Arbeit als Cowboy bei den argentinischen Gauchos. Er lebt jetzt im Südwesten von Montana.

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